Wels bedroht heimische Fische

Von Dietmar Kemper

Bielefeld (WB). Weil er andere Fischarten bedroht, sollen Angler den Wels in den Flüssen und Baggerseen Ostwestfalen-Lippes verstärkt fangen. Dies gilt auch für Exemplare, die nicht größer als 50 Zentimeter sind.

Der Fischereibeirat in Düsseldorf habe das Schonmaß aufgehoben, sagte der Dezernent der Oberen Fischereibehörde bei der Bezirksregierung Detmold, Ludwig Bartmann, dieser Zeitung. Die Landesfischereiordnung werde geändert, die Aufforderung, auch kleine Fische zu fangen, gelte von sofort an.

Der Wels habe sich stark vermehrt, begründete Bartmann die Entscheidung des Beirates. »Inzwischen stört er das Gleichgewicht zwischen Fried- und Raubfischen und senkt den Ertrag der Angler«, erläuterte der Experte. Die Statistiken der Anglervereine zeigten einen spürbaren Rückgang bei Rotaugen und Schleien. Neben diesen Arten sei auch der Aal-Bestand gefährdet.

Beim Wels, der in Bayern Waller genannt wird, handelt es sich um einen nachtaktiven Bodenfisch. Auf einer Fischtreppe der Weser bei Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke) wurde der erste 1996 entdeckt. Seitdem tummeln sich Welse immer häufiger in den heimischen Gewässern und gehören zum festen Fischbestand in größeren Flüssen wie Weser, Ems und Werre. Auch in Baggerseen stoßen Angler und Badegäste immer häufiger auf den Raubfisch, der für Menschen ungefährlich ist.


Quelle: Westfalen-Blatt

 



Während der Wels in der Donau bis zu drei Meter groß wird, sind die Exemplare in Ostwestfalen-Lippe »nur« bis zu 1,50 Meter groß und bis zu 80 Kilogramm schwer. Es gibt aber auch Ausnahmen: Im August holte der gebürtige Albaner Bari Ljatifi aus dem Sandforther See zwischen Steinhagen und Halle (Kreis Gütersloh) einen 2,10 Meter großen Wels. Nach zweistündigem Kampf schafften er und sein Freund Hasan Erdem den Fisch ans Trockene. Aber der Erfolg währte nur kurz: Der Super-Wels entschlüpfte den beiden und tauchte im Baggersee unter.

»Von Hause aus kommt der Wels in Ostwestfalen-Lippe nicht vor«, sagte Bartmann. Wie der Räuber hierhin gelangte, sei unbekannt. »Die Entwicklung des Bestandes ist lange unbemerkt geblieben«, berichtete der Fischereidezernent der Bezirksregierung. Inzwischen gehe der »Kohldampf« der Welse auf Kosten anderer. Angler müssten beim Ertrag deutliche Einbußen hinnehmen.

Pro Hektar Wasserfläche werden in Ostwestfalen-Lippe statistisch knapp 40 Kilogramm Fisch gefangen. Damit der Wels nicht zu einer noch größeren Bedrohung für andere Arten und die Quote der Angler werde, sagte Bartmann, müssten auch kleinere Exemplare entnommen werden. »Angler müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass sie nicht erst so lange warten, bis aus dem kleinen ein großer Fisch geworden ist.« Heißt im Klartext: Lieber in die Pfanne statt zurück ins Wasser werfen.


 


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